Partnerschaft – Es gibt immer was zu tun!

Irgendwie scheint es für AD(H)S-ler mit den Partnerschaften schwierig zu sein. Das zumindest sagen die Wissenschaftler, die darüber forschen, und tatsächlich zeigen die Statistiken deutlich erhöhte Trennungs- und Scheidungsraten. Vielleicht hast du auch schon festgestellt, dass Menschen, die dir nahe stehen und dir etwas bedeuten, dich nicht nur von allen am meisten nerven können, sondern dass du bei ihnen auch noch viel schneller explodierst oder entgleist, als bei Menschen, die du nicht so gut kennst. Warum ist das so?

background104Wir haben schon darüber gesprochen, dass AD(H)S-ler etwas anders ticken als der Rest der Menschheit. Du kennst es nicht anders, also denkst du, dass alle anderen die Welt genauso sehen und ähnlich empfinden wie du. Es ist nicht einfach, sich immer wieder klar zu machen, dass es beim AD(H)S Verhaltensweisen gibt, die für Nicht-Betroffene problematisch sind.

In diesen Zusammenhängen müssen wir leider immer wieder lauter problematische Eigenschaften abhandeln. Trotzdem heißt das auf keinen Fall, dass du immer Schuld an allen Schwierigkeiten bist. Grundsätzlich haben immer beide Partner ihren Anteil an den Problemen in einer Beziehung oder gar an ihrem Scheitern. Jetzt sind wir aber mit deinem Anteil beschäftigt, denn man kann immer nur bei sich selbst anfangen, wenn man in einer Beziehung etwas verändern will. Wir wollen AD(H)S-ler unter keinen Umständen in eine Ecke stellen und sie für alles, was nicht läuft, verantwortlich machen – andere Leute haben ohne Frage auch übelste Beziehungskrisen. AD(H)S-ler haben viele außergewöhnlich liebenswerte Seiten. Hier soll es aber darum gehen, einige AD(H)S-typische Eigenarten einmal auf ihre Beziehungstauglichkeit hin zu untersuchen. Dazu haben wir auf den folgenden Seiten 15 „klassische Stolpersteine“ zusammengestellt, die dir vielleicht schon in Form von Vorwürfen begegnet sind – ganz unangebracht waren sie möglicherweise nicht..

 

AD(H)S in der Beziehung – 15 Klassiker

1. „AD(H)S-ler sind unzuverlässig und schieben unangenehme Tätigkeiten auf.“

Nichtbetroffene Mitmenschen haben die Erwartung an dich, dass Zusagen von dir eingehalten werden und dass man sich auf dich verlassen kann. Werden sie in ihrer Erwartung enttäuscht, interpretieren sie dein Verhalten möglicherweise als mangelndes Interesse oder als Gleichgültigkeit, finden dich respektlos und ziehen sich enttäuscht zurück. Wenn du nun unter Stress und Anspannung noch dazu impulsiv reagierst, können sich deine Mitmenschen ungerecht behandelt fühlen und sehr gekränkt und enttäuscht reagieren.

Falls das bei dir so ist, vergegenwärtige dir, dass nicht die großen Verletzungen Beziehungen zerstören, sondern die vielen kleinen, täglichen, achtlosen Kränkungen, die sich zu einem Ärgerkloß zusammen brauen und irgendwann als unüberwindbares Hindernis in einer Beziehung stehen. Beziehungen können dann zunehmend verhärten und entgleisen und der AD(H)S-ler wähnt sich als Mobbing-Opfer, ohne die eigenen Anteile an dieser Situation wahrnehmen zu können.

2. „AD(H)S-ler arbeiten langsam und schieben Verantwortung ab.“

Hypos haben in Beziehungen oft Probleme mit ihrem Arbeitstempo: Sie brauchen für die Erledigung von Arbeiten viel länger und es fällt ihnen überhaupt schwer, in die Gänge zu kommen. Häufig übernimmt der Partner dann einen Großteil der Pflichten, weil er diese schneller und zuverlässiger erledigt. Viele Partner entwickeln wegen dieser Ungerechtigkeit auf Dauer eine Menge Groll und Ärger, weil viel zu viel Last und Verantwortung auf ihren Schultern liegt – und der Unmut wächst täglich. Dadurch kann sich das Gleichgewicht einer Beziehung erheblich verschieben: Der nicht betroffene Partner übernimmt Elternfunktion, indem er den AD(H)S- ler organisiert, während der Betroffene selbst sich immer weniger dafür zuständig fühlt, sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen.

3. „AD(H)S-ler sind ichbezogen und können sich nicht in andere hineinversetzen.“

Gerechtigkeit und Ausgewogenheit in Beziehungen sind sehr wichtig und auf die Dauer gibt es meist nur tragfähige Beziehungen, wenn Geben und Nehmen sich die Waage halten. AD(H)S-ler meinen es nicht böse und wollen andere nicht übervorteilen, aber im Eifer des Gefechtes fällt es ihnen schwer, sich in andere hinein zu versetzen. Prompt wird vergessen, dass andere Menschen auch ein empfindliches Gemüt haben und auch wollen, dass auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen wird.

Vielleicht weißt du, was es heißt, wenn die Gefühle so mit dir durchgehen. Diejenigen, denen das leicht passiert, können an sich die Neigung beobachten, sich besonders in Konfliktsituationen als den Mittelpunkt der Welt zu erleben.

Als eine Folge davon kann man auch die Veranlagung verstehen, sich selbst, seine Tätigkeiten und Beiträge zu überschätzen. Du hast für eine (an sich eher übersichtliche) Aufgabe fünf lange Stunden gebraucht? Das mag schon sein, aber… Deine Angehörigen bewerten nicht die Zeit, die du gebraucht hast, sondern die Zeit, die sie brauchen würden, um die gleiche Tätigkeit zu erledigen. Wenn du nun aber langsam bist oder nicht gut organisiert? Und du führst so vehement die lange Arbeitszeit an (allerdings ohne zu berücksichtigen, was du in dieser Zeit tatsächlich geschafft hast)?

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Nun, da kann man schon zu sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen von geleisteter Arbeit kommen. Der Partner, der auf diese Weise wahrscheinlich viel mehr Pflichten und Aufgaben übernehmen muss, wird sich irgendwann zu kurz gekommen oder ausgenutzt sehen und sein Unmut wird stetig wachsen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

4. „AD(H)S-ler können alles und jeden kritisieren, nur nicht sich selbst.“

Wenn sich AD(H)S-ler an einem Thema oder einer Bemerkung festgebissen haben und einfach nicht mehr davon loskommen, müssen sie aufpassen, dass sie keinen einsamen Kampf gegen den Rest der Welt führen. (Das ist vor allem dann ganz besonders schlimm, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.)

Sollte dir das manchmal genauso gehen, führe dir ruhig immer mal wieder das Bild von der Mimose mit der Holzkeule vor Augen – vielleicht kannst du dann ein wenig über dich lachen und grinsen (es ist ja immer gut, wenn man sich nicht so tierisch ernst nimmt!). Bedenke auch, dass du schnell den Eindruck hast, dass alle etwas gegen dich haben, und dass du dazu neigst, trotzig und stur zu sein.

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5. „AD(H)S-ler können endlos diskutieren, statt die notwendigen Dinge zu tun.“

Jeden tot reden und Recht bekommen, weil alle anderen vor Erschöpfung in die Knie gehen und einfach keine Lust mehr haben, für Nebensächlichkeiten so viel Energie aufzubringen…

Kommt dir das irgendwie bekannt vor? Bist du auch so ein Meister der endlosen Debatte? Die Grundsatzdiskussionen, die du nur allzu gerne führst, können deine Mitmenschen mürbe machen. Und immer willst du das letzte Wort haben! Am Anfang mag das für andere witzig sein oder eine Herausforderung. Dein Charme trägt aber nicht ewig; irgendwann sind alle Funken versprüht und wenn du alle Sympathien verspielt hast, kann es passieren, dass dir nur noch deine Fehler vorgeworfen werden. Du drückst dich vor den Unannehmlichkeiten des Lebens, suchst vorwiegend deinen Spaß – auf Dauer werden die besten Argumente dich nicht davor bewahren, dass deine Mitmenschen von dir Einsatz, Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit erwarten. Irgendwann geht einfach keine Ausrede mehr durch. Insbesondere von seinen Partnern kann man unmöglich verlangen, dass sie ein Leben lang Verständnis dafür haben.

6. „AD(H)S-ler hören nie richtig zu und reißen Sätze aus dem Zusammenhang.“

Da AD(H)S-ler anders wahrnehmen und fokussieren, speichern sie auch anders ab. Dann werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, man beißt sich an ihnen fest oder blendet einfach Begebenheiten aus, die aber für das Verständnis der Situation wichtig sind. AD(H)S-ler nehmen manchmal nur einzelne Sätze, nicht aber den Gesamtzusammenhang wahr. Sie nehmen besonders solche Sätze auf, von denen sie sich gekränkt fühlen, doch so manches Mal wissen sie gar nicht, was sie selbst im Eifer des Gefechtes an Kränkungen in die Welt geschleudert haben. (Im Abschnitt über das AD(H)S-Gehirn werden wir auf diese Eigenart noch einmal zurückkommen.)

background109In manchen Diskussionen geht es am Ende nur noch ums Rechthaben; darum, wann der eine oder andere was gesagt hat oder nicht gesagt hat. Ja, AD(H)S-ler sind doch immer wieder vehemente Kämpfer für ihr Recht (und dabei flexibel wie Eisenbahnschienen!).

Falls du dich häufig in so einer Situation wiederfindest, möchten wir dir hier gerne den Tipp geben, nicht allzu sehr auf dein Recht zu beharren: Auseinandersetzungen dieser Art führen ohnehin zu keiner Lösung. Sie kosten nur Kraft. Auch für dich wird es immer wieder darum gehen zu akzeptieren, dass jeder Mensch sich seine Realität und Wahrnehmung selbst schafft und dass solche verbissenen Diskussionen nicht klären, sondern nur erschöpfen. Sei einfach auch ein bisschen selbstkritisch – denke mit einem Lächeln daran, dass so mancher AD(H)S-ler sich über all die Geisterfahrer auf der Autobahn wundert, sich aber niemals die Frage stellt, ob er selbst der Geisterfahrer ist…

8. „AD(H)S-ler sind immer extrem und ihre Launen unberechenbar.“

Die meisten AD(H)S-ler haben ein ausgeprägtes Schwarzweiß-Denken und ihre Welt ist eingeteilt in ganz oder gar nicht, gut oder böse. Entweder sie sind total begeistert oder aber sie verlieren die Lust.

Frage dich mal, ob es bei dir auch manchmal so ist; ob es dir auch schwer fällt, die Mitte zu finden.

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Für andere sind solche Extreme oft völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar, sie machen ihnen Angst. Für AD(H)S-ler dagegen ist es genauso schwer zu begreifen, dass die Welt eben nicht nur aus Licht oder Schatten besteht – und dass sich ein Großteil der Menschheit in der Mitte am wohlsten fühlt.

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Angehörige und Freunde sind oft erschrocken darüber, dass die Launen beim AD(H)S-Menschen so schnell wechseln und schon kleine Außenreize zu heftigen Gefühlsausbrüchen oder Stimmungsschwankungen führen können. Es ist ihnen unbegreiflich, warum bei dir ein falsches Wort reicht, um die Stimmung entgleisen zu lassen; warum die Fliege an der Wand dazu führen kann, dass du die Wand einschlagen könntest. Freunde und Angehörige haben auch nicht immer Verständnis dafür, dass plötzlich durch eine kleine Kränkung oder einen Misserfolg die Welt untergehen kann (woraufhin noch tiefste Trauer und unerträgliches Selbstmitleid folgen können), im nächsten Augenblick aber wieder die Sonne aufgeht (wenn z. B. der Freund anruft).

Der gleiche AD(H)S-ler, der gerade im Weltschmerz zu versinken drohte, kann fünf Minuten später wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen und Spaß haben! Dieser schnelle Wechsel von Gefühlen kann für die Mitmenschen auf Dauer eine Überforderung, zumindest aber chronischen Stress bedeuten.

9. „AD(H)S-ler geraten selbst mit Wildfremden aneinander.“

Wenn man ihnen zu nah kommt und die Fluchtdistanz unterschreitet, können AD(H)S-ler auch bei Fremden sehr unangenehm und aufbrausend werden. Kennst du solche Szenen? Wenn du schlecht gelaunt und angespannt bist und du triffst dann auf einen Wesensgenossen, der mindestens genauso schlecht gelaunt ist wie du, dann können sich an Kleinigkeiten heftige gefühlsmäßige und vielleicht sogar gewalttätige Entgleisungen entzünden. Nichts ist für AD(H)S-ler in negativer und aggressiver Gemütsverfassung ansteckender als ein anderer schlecht gelaunter AD(H)S-ler! Da können sich zwei Menschen dann wieder gegenseitig die Knöpfchen drücken und sich an die Decke befördern…

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Es ist gut für dich, rechtzeitig zu erkennen, ob du es vielleicht mit einem Wesensverwandten zu tun hast. Für brisante Situationen können wir dir nämlich nur empfehlen, auf jede weitere Provokation zu verzichten und Abstand zu halten.

10. „AD(H)S-ler haben zwei Gesichter.“

Vielleicht kennst du es, dass zwei Seelen in deiner Brust zu wohnen scheinen und du zwei Gesichter hast: Du kannst dich total engagieren und dir für andere ein Bein ausreißen, wenn du davon überzeugt bist, jemanden zu lieben oder retten zu wollen. Man kann dann von dir alles bekommen und du kannst ein ganz erstaunliches Einfühlungsvermögen und eine hohe Sensibilität zeigen. In der nächsten Sekunde kann es dir aber auch gründlich die Stimmung verhageln, falls dir jemand etwas Falsches sagt. Manche AD(H)S-ler werden dann zu wahren Gorillas, die hemmungslos ihre Kokosnüsse in die Welt pfeffern.

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Das Schwierige für andere ist nur, dass sie nie genau wissen, was im nächsten Moment passiert, und dass sie mit dieser Unberechenbarkeit des AD(H)S-lers leben müssen. Sie wissen dann nicht, „Ob wohl jetzt der Partner nach Hause kommt, den ich liebe, oder das Rumpelstilzchen? Der Gorilla, der so unausstehlich ist?“

11. „AD(H)S-ler überschätzen sich maßlos – oder quälen sich mit Zweifeln.“

Selbst mit ihrem eigenen Selbstwertgefühl ringen AD(H)S-ler stärker als andere. Schwankst du auch zwischen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen auf der einen Seite und Selbstüberschätzung und Kritiklosigkeit auf der anderen hin und her? Viele AD(H)S-ler sind auf Grund der Menge an negativen Erfahrungen schnell zu verunsichern. Gleichzeitig können sie aber auch erstaunlich ichbezogen und abwehrend sein, mit nur geringer Selbstkritik. Diese Varianten liegen unmittelbar beieinander, scheinen quasi übergangslos miteinander verbunden – kein Wunder, dass die anderen manchmal einfach nicht fassen können, wie widersprüchlich AD(H)S-ler sein können und wie schnell ihre Befindlichkeit wechselt.

12. „AD(H)S-ler benehmen sich manchmal wie kleine Kinder.“

AD(H)S-ler können nicht nur in ihren Stimmungen sehr wechselhaft sein, sondern auch in ihrem „gefühlten“ Alter. So gelingt es ihnen hin und wieder tatsächlich, vom Erwachsensein unvermittelt in die Rolle eines dreijährigen Kindes zu springen. Das sind die Phasen, in denen ihre Schwäche, Bedürfnisse nicht aufschieben zu können, besonders in den Vordergrund tritt: Sie wollen alles jetzt, sofort und immer. Nicht selten haben sie Ähnlichkeit mit einem Rumpelstilzchen, das sich gleich auf den Boden werfen und um sich treten wird, um seinen Willen durchzusetzen.

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Sie wollen mit dem Kopf durch die Wand und sind kaum mehr zu Kompromissen fähig. Manche Partner verstehen es nie, wie intelligente und erwachsene Menschen wieder so klein und trotzig werden können, um ihren Willen durchzusetzen.

Es ist sicher schwer, sich einzugestehen, einen derart ausgeprägten Trotzreflex zu haben: AD(H)S-ler lassen sich nur ungern etwas sagen, akzeptieren nicht, dass ihnen die Welt nicht nach ihren Wünschen gebacken wird, und sind persönlich beleidigt, wenn sie ihren Willen nicht bekommen oder auf etwas verzichten müssen. So schaffen sie sich ihr eigenes Elend. Und dann geben sie auch noch doppeldeutige Botschaften: „Sage mir was ich tun soll, ich tue es sowieso nicht.“ Es scheint fast automatisch gesteuert zu sein, dass der AD(H)S-ler gerade deshalb etwas nicht macht, weil er es tun soll: Jede Form von Druck oder Zwang wird innerlich abgelehnt.

13. „AD(H)S-ler können sich nur schwer entscheiden.“

Auch hier gibt es immer wieder die Extreme: AD(H)S-ler können sich entweder überhaupt nicht entscheiden oder sie entscheiden vorschnell, unüberlegt, ohne Abwägung der Konsequenzen. Wechselst du auch schnell deine Ansichten und Pläne, ohne deine Mitmenschen hiervon in Kenntnis zu setzen? Kannst du deine neue Entscheidung auch heftig verteidigen und rechtfertigen und störst dich nicht daran, dass du vielleicht erst gestern oder noch vor einer Stunde eine völlig andere Meinung vertreten hast? In einer Partnerschaft kann dieser Mangel an Verlässlichkeit, Planbarkeit und Sicherheit schon zu einer echten Strapaze werden, wenn etwa gemeinsame Unternehmungen regelmäßig davon betroffen sind. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Partner massiv irritiert sind, wenn sie sich durch solches Verhalten buchstäblich verschaukelt fühlen.

14. „AD(H)S-ler können Langeweile nur schwer aushalten.“

Langeweile ist am schlimmsten: AD(H)S-ler können nur schwer Stillstand und Langeweile aushalten. Besonders die Hyperaktiven werden dann ungeduldig und aggressiv. Einerseits brauchen sie ständig Action und Ablenkung (auch wenn es die gefährliche Suche nach Abenteuer ist), andererseits können sie aber auch endlos vor sich hindämmern und die Zeit totschlagen (besonders wenn es gilt, sich vor unangenehmen Verpflichtungen zu drücken).

Passiert es dir auch, dass du dich einfach an einem Reizthema aufhängst, dass du manchmal absichtlich Streit und Action suchst, nur weil dir so furchtbar langweilig ist und du nichts mit dir anfangen kannst? Jetzt, da du kein Kind mehr bist, solltest du bedenken, dass nicht jeder ständig Action braucht: Deine Angehörigen brauchen eine Zeit der Erholung und Entspannung und es fällt Ihnen folglich schwer, auch im Urlaub oder in der Freizeit wieder Hektik, Abenteuer und Getriebenheit erleben zu müssen. Sie möchten oft einfach mal die Seele baumeln lassen, nichts tun oder sich sogar einmal so richtig schön langweilen. Nur für dich ist Langeweile geradezu unerträglich. Gönne deinen Angehörigen doch einfach öfter einmal die Ruhe und das Loslassen – genau das würde dir auch nicht schaden. Es ist gar nicht so einfach, mal nichts zu tun und sich nur mit sich selbst zu beschäftigen, aber du solltest es üben.

15. „AD(H)S-ler verbreiten Chaos.“

Das Chaos der AD(H)S-ler ist für andere oft schwer zu ertragen. Wenn du dich hier angesprochen fühlst, mach dir unbedingt klar, dass es für andere eine echte Zumutung darstellen kann, mitten in deinem Chaos leben zu müssen: Wenn das Wohlbefinden unter anderem davon abhängt, dass es rundherum aufgeräumt und geordnet ist, kann die Lebensqualität durch Chaos erheblich gemindert und zur Quelle ständiger Ärgernisse werden. Deine chaotische Ader wird in der Familie oder WG nicht deshalb kritisiert, weil jede Gelegenheit recht wäre, dich zu beschimpfen – für die anderen ist sie möglicherweise ganz ernsthafter Stress. Bedenke auch, dass sich jemand anderes vielleicht seine Ordnung selbst mühsam erarbeiten muss und sie von dir nicht zusätzlich behindert sehen will.

 

EMPFEHLENSWERTE BEZIEHUNGSREGELN

Wir wissen, dass es für AD(H)S-ler schwer ist, Regeln einzuhalten. Vielleicht ist es auch bei dir so, dass du manchmal meinst, dich gegen Regeln wehren zu müssen; dass du ganz schnell das Gefühl bekommst, eingeschränkt zu werden und nicht mehr selbstbestimmt zu sein – ein ganz schlimmes Gefühl für AD(H)S-ler, die ja einen so großen Freiheitsdrang haben und sich von niemandem einschränken lassen wollen. Vergiss nur nicht, dass ohne Regeln alle noch viel eingeschränkter wären: Ohne Regeln würde auf der Autobahn niemand mehr geordnet fahren, stattdessen wären alle im Stau verkeilt und die Bewegungsfreiheit jedes Einzelnen wäre damit zunichte. Gerade weil es Straßenverkehrsregeln gibt, hat jeder die Möglichkeit, sich auf den Autobahnen fortzubewegen – natürlich nur sofern sich alle an diese Regeln halten. Missachtet einer die Regeln, stehen eben alle im Stau.

So ähnlich ist das auch mit Beziehungen, denn selbst Beziehungen brauchen Regeln, damit sich jeder entfalten und sicher und gut aufgehoben fühlen kann. Gerade aber AD(H)S-ler scheinen die ungeschriebenen Gesetze des Lebens sehr viel schlechter zu verinnerlichen und ihre sozialen Fähigkeiten sind damit oft deutlich eingeschränkt. Andererseits gelten heute soziale Fähigkeiten als Schlüsselqualifikationen, um in Schule und Beruf erfolgreich zu sein. Leute ohne ausgeprägtes AD(H)S scheinen die ungeschriebenen Gesetze des Lebens viel besser wahrzunehmen und zu befolgen. Sie lernen sie einfach, ohne dass sie besonders erklärt werden müssen.

In diesem Abschnitt wollen wir dir nun einige Beziehungsregeln erläutern, mit denen das Leben reibungs- und komplikationsloser verläuft. Bedenke bitte auch hier, dass du diese Regeln so oft wie möglich anwenden solltest und dass sie nur so lange wirken, wie sie von dir befolgt werden.

Beziehungsschwierigkeiten können jedes Paar und jede Partnerschaft betreffen, und so gelten die folgenden Regeln im Prinzip natürlich auch für Nicht-AD(H)S-ler. Heftigkeit und Häufigkeit solcher Schwierigkeiten sind aber bei AD(H)S-lern einfach wesentlich ausgeprägter und umso mühevoller zu überwinden. Wenn man Regeln wie die folgenden als einen Leitfaden sieht, kann man sich selbst helfen, denn:„Regeln regeln und machen das Leben einfacher und verständlicher.“ Oder: „Wer nicht nach den Regeln geht, geht.“

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1. BEZIEHUNGSREGEL:
Erkenne deine Schwierigkeiten.

Es kann für dich schon sehr hilfreich sein, deine speziellen Schwierigkeiten im Sozialverhalten, im Umgang mit anderen zu erkennen und immer wieder ernsthaft an Verbesserungen zu arbeiten. Dies tust du nicht nur für die anderen, sondern in erster Linie für dich selbst.

2. BEZIEHUNGSREGEL:
Gib deinen Mitmenschen eine Erklärung für dich selbst.

Für deine Angehörigen ist es hilfreich, wenn du deine Schwierigkeiten benennst und eine Erklärung oder eine Art Gebrauchsanweisung für dich selbst abgibst. Dabei solltest du das AD(H)S nicht als Ausrede benutzen, sondern lediglich als Erklärung mit dem Hinweis, dass du an dir arbeitest. Die Anderen haben schließlich keine Lust, ständig nur Entschuldigungen zu hören; um sie akzeptieren zu können, müssen sie auch dein ernsthaftes Bemühen darum spüren, dass deine Beziehungen konfliktfreier werden

3. BEZIEHUNGSREGEL:
Entwickle eine Toleranz für das Anderssein.

Toleranz, Fremdes zumindest dulden und gelten lassen zu können, das ist leider keine besondere Stärke von AD(H)S-lern – dabei sollte gerade ihnen ein gewisser Großmut gegenüber dem Anderssein doch am Herzen liegen. Sieh es als eine persönliche Herausforderung, diese Stärke zu entwickeln: Toleranz verhilft uns allen zu mehr Gelassenheit. Wenn du zusätzlich auch noch Humor entwickeln kannst, umso besser: Es hilft ungemein, nicht alles so tierisch ernst zu nehmen, und vor allem, über sich selbst lachen zu können!

Vergiss nicht, dass andere Wertschätzung, Akzeptanz und Respekt genauso brauchen wie du selbst – und sie brauchen es von dir! Erinnere dich daran, indem du bei den unausweichlichen Reibereien des Lebens auf Formulierungen zurückgreifst, die du dir schon vorher zurecht gelegt hast,z.B.: „Ich denke anders und du auch.“ Du musst das ja nicht einmal unbedingt laut aussprechen.

4. BEZIEHUNGSREGEL:
Versuche erst, den Anderen zu verstehen, bevor du Recht hast.

Versuche dir immer zu verdeutlichen, dass eigentlich gar nichts Schlimmes passiert, wenn du zwei Meinungen nebeneinander stehen lässt. Es schadet gar nichts, wenn du jemandem sagst: „Ich denke einmal darüber nach.“ Die meisten Konflikte eskalieren dadurch, dass jeder versucht, Recht zu haben und den anderen von seiner Meinung zu überzeugen – je mehr du das willst, desto mehr wird sich der andere dagegen sperren. Es ist außerordentlich sinnvoll, wenn du versuchst, den anderen erst einmal verstehen zu wollen.

Verstehen heißt übrigens nicht unbedingt Recht geben; vielmehr zeigt es deine Wertschätzung für den anderen und signalisiert, dass du die Offenheit und Toleranz aufbringst, unterschiedliche Meinungen und Standpunkte zu akzeptieren und diese nachzuvollziehen. Genau dies sind wesentliche Voraussetzungen für stabile Beziehungen.

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5. BEZIEHUNGSREGEL:
Versuche, dich kurz und knapp auszudrücken.

Der AD(H)S-ler profitiert auch von der Erkenntnis, dass er seine Mitmenschen nicht durch Endlosdiskussionen in die Knie zwingen darf. Emotionale Heftigkeit und Entgleisungen machen Argumente nicht besser, und die Dauer einer Diskussion ist auch kein Kriterium für deren Qualität. Es wird nichts klarer, wenn man alles zerredet, es kostet nur Kraft und macht schlechte Stimmung.

Hör einfach auf, das letzte Wort haben zu müssen und Argumente immer wieder neu zu bringen: Du wirst sehen, dass kurze Statements, prägnant und auf die Sache gerichtet, meist viel wirkungsvoller sind, als nicht enden wollende Wortschwalle, die du immer wiederholst. Versuche (auch wenn es schwer ist), dich kurz und knapp auszudrücken und das Wesentliche im Auge zu haben: Achte auch in Diskussionen darauf, dass du dich nicht verzettelst und von einem Thema zum anderen springst! Kurz, denke öfter daran: „Weniger ist mehr!“

6. BEZIEHUNGSREGEL:
Lege deinen eigenen Standpunkt freundlich dar, statt vernichtend zu sein.

Es geht auch immer um eine angemessene Form, die eigenen Gefühle auszudrücken. Natürlich ist es wichtig, ehrlich zu sein, aber man kann es auf verschiedene Art und Weise tun. Statt verbale Vernichtungsfeldzüge zu führen ist es viel besser, den eigenen Standpunkt klar und freundlich, nett, aber bestimmt darzulegen. Und dazu muss man nicht kämpfen wie ein Löwe.

7. BEZIEHUNGSREGEL:
Bleibe heiter und gelassen mit freundlicher Beharrlichkeit.

Du musst gar nicht um alles kämpfen (am Allerwenigsten darum, immer Recht zu haben…). Leider haben AD(H)S-ler da so kämpferische Urinstinkte: Sie fühlen sich ständig angegriffen und all zu oft sind sie in einem Dauerkriegszustand, in dem sie praktisch jeden als einen Feind erleben, gegen den sie sich heftig zur Wehr setzen müssen. Das schafft nur wieder Stress, Spannung und schlechte Laune – und die ist bekanntlich ansteckend.

Viel besser als Kämpfen und Rechthaben, ist die Lebenshaltung der “heiteren Gelassenheit und freundlichen Beharrlichkeit”. Mit dieser Lebenshaltung kommt man ungleich weiter, weil man seine Mitmenschen nicht kränkt und verärgert und man sich die Sympathien erhält. Mit freundlicher Beharrlichkeit ist gemeint, dass du dein Anliegen immer wieder auf nette, klare, aber freundliche und bestimmte Art und Weise wiederholst und die Bedeutung herausstellst, die deine Bitte für dich hat. Man könnte dazu auch sagen: Höflich und hartnäckig nerven… Allerdings brauchst du für diese freundliche Beharrlichkeit auch Zeit, denn wenn du etwas sofort haben willst und deine Bitten dauernd wiederholst, dann nervst du einfach nur und bei den anderen geht der Rollladen runter.

background122Zuhören, Abwarten, Verstehen, Geltenlassen, Akzeptieren – das Thema Toleranz ist für AD(H)S-ler eine heikle Sache. Die Welt besteht eben nicht nur aus schwarz oder weiß, richtig oder falsch. Die Welt, das Leben und die Menschen in ihrer ganzen Bandbreite und mit allen Facetten wahrzunehmen, ohne sie verändern oder überzeugen zu wollen – das ist für jeden eine große Herausforderung! Doch die wahre Bereicherung des Lebens ist nicht Rechthaberei, sondern Menschen in ihrem Anderssein zu akzeptieren. Es geht hier um Gelassenheit: Andere Menschen zu lassen wie sie sind.

So kannst du die Welt und deine Mitmenschen vielschichtiger erleben und viele neue Erfahrungen machen. Wenn du andere lässt, hast du weniger Feinde und musst weniger kämpfen, weil du aufhörst, dich über andere zu ärgern oder andere verändern zu wollen. Das setzt aber voraus, dass du nicht dich allein als den Mittelpunkt der Welt erlebst, sondern auch den Anderen ihren Wert und ihre eigenständige Meinung zugestehst.

Schließlich geht es im Leben nicht um Siege sondern um stabile und liebevolle Beziehungen, die viel mehr tragen, als ein kurzfristiger Triumph es kann. Gibt es in einer Beziehung zu viel Kampf, so wird unweigerlich die Liebe und die Sympathie auf der Strecke bleiben, und das ist die größte Niederlage, die man überhaupt erleiden kann. Wenn man sich immer weiter in den Kampf hineinsteigert, können die Beteiligten durch zu viele Kränkungen krank werden oder aber Angehörige ziehen sich zurück und haben eine immer dicker werdende Ritterrüstung an, um sich gegen all die Verletzungen zu schützen.

Wenn es zu Konflikten kommt, bedarf es daher einer guten Streitkultur. Hier sind ein paar Tipps, auf was man achten könnte:

1. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Wähle den richtigen Zeitpunkt, um ein Anliegen vorzubringen!

Was AD(H)S-ler immer wieder falsch machen ist, dass sie viel zu spontan in Grundsatzdiskussionen einsteigen, ohne zu schauen, ob der Zeitpunkt stimmt und der andere gerade aufnahmefähig ist. Wenn du z. B. etwas von deinem Vater möchtest, dann tust du gut daran, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, und der ist dann, wenn dein Vater gut gelaunt und entspannt ist und bereit, dir zuzuhören. Wenn er stattdessen im Oberstress ist, im Geschäft Ärger hatte und noch dazu unter Zeitdruck steht, wird er dir überhaupt nicht zuhören und dein Anliegen abschmettern. Es ist auch sinnvoll, an einem Ort mit deinem Vater zu reden, an dem er sich besonders wohlfühlt. Und noch positiver ist es, wenn du vorher fragst, ob er gerade Zeit hat und bereit ist, dein Anliegen anzuhören.

2. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Der Ton macht die Musik!

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass du den richtigen Ton triffst, denn der Ton macht die Musik. Bevor du loslegst, solltest du dir außerdem schon genau überlegt haben, was du z.B. von deinem Vater willst (Zielklarheit nennen wir das) – sonst wird er sowieso ungeduldig. Trotzdem darfst du deinem Vater nicht fordernd, pampig oder anklagend kommen, dann wird er ganz schnell dicht machen und du hättest die Chance für diesmal vertan.

background123Du solltest dir Formulierungen zurechtlegen, die dein Anliegen klar machen, deinen Vater aber nicht provozieren oder verletzen. Es ist gut, Ich- Botschaften zu formulieren und die Kritik oder den Konflikt so konkret wie möglich zu benennen: „Papa, als du gestern gesagt hast, dass ich sowieso nur das mache, was mir Spaß macht, da hatte ich das Gefühl, du nimmst mich überhaupt nicht ernst.“ Wenn du deinen Eltern eine Kritik oder Rückmeldung geben willst, tue dies immer so konkret wie möglich, und mit Interesse für sie und mit Wertschätzung ihrer Person. Andere Menschen sind meist zu besänftigen, wenn sie das Gefühl bekommen, dass man sie verstehen will. Pass auf, dass du auch auf Details deiner Formulierungen achtest. Es ist ein Unterschied, ob du sagst: „Ich will, dass du mir das aus der Stadt mitbringst!“, oder „Ich würde mich freuen, wenn du mir das aus der Stadt mitbringen würdest.“ Niemand möchte sich befehlen und herumkommandieren lassen und der AD(H)S-ler schon gar nicht! Wahrscheinlich reagierst du selbst auch allergisch auf jede Form des Befehls oder der Anordnung.

Und genauso wichtig ist es auch, dass du Kompromisse schließt: Niemand möchte dem anderen immer nur und in jeder Hinsicht Recht geben. Wie so oft geht es also um die goldene Mitte, um einen Kompromiss, der beide zufrieden stellt. Dafür müssen sich aber beide bewegen und beide Gesprächspartner sollten am Ende zu einer Lösung finden, bei der jeder sein Gesicht wahren kann.

3. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Wohlwollender Humor entspannt die Situation!

background124Versuch es auch in den Beziehungen zu deinen Angehörigen, Freunden und Arbeitskollegen mit wohlwollendem Humor: Wenn Menschen über dich lachen können, hast du die Sympathien auf deiner Seite. Und du be- kommst eher das, was du dir wünschst, wenn andere dich mögen und dir wohl gesonnen sind.

4. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Bleib cool, entschleunige oder nimm dir eine Auszeit!

Pass in Beziehungen auf, dass du nicht zu impulsiv und launisch bist, denn das ist meist die größte Belastung für den Partner. Diese können die ständigen Verletzungen, die durch deine Impulsivität entstehen, wie einen weiteren Stein erleben, der die Mauer um ihr Herz vergrößert. Für AD(H)S- ler gilt es zu lernen, die Strategien der Gefühlskontrolle immer wieder anzuwenden und nicht überzureagieren: Immer schön cool bleiben!

background125Im Zweifelsfall sei erst einmal still und denke nach, statt deine Gefühle in die Welt zu schleudern. Versuche an etwas anderes zu denken, zu zählen, durchzuatmen; versuche den Ärger loszulassen; stelle dir deine Gefühle wie eine verebbende Welle vor.

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Statt auszurasten nimm dir eine Auszeit: Geh aus der Situation heraus, wenn du das Gefühl bekommst, die Kontrolle zu verlieren! Wenn du in Druck und unter Anspannung bist, fahre dich runter: Versuche Zeit zu gewinnen und entschleunige dich; überlege um was es geht; gehe in die Beobachterposition; führe Selbstgespräche.

Rufe dir bewährte Sprüche in Erinnerung, wie z. B.: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam!“ – „Den Schuh ziehe ich mir nicht an.“ – „Ich gebe dem anderen keine Macht über mich.“ – „Schade.“ – „Du siehst es so, ich sehe es anders.“ – „Ich lasse mich diesmal nicht aus der Fassung bringen.“ Und denke immer daran, dass du selbst bestimmst, wer dich ärgert, und du selbst entscheiden kannst, wie viel Macht du anderen Menschen gibst.

5. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Achte auf Reizthemen und die Art der Wahrnehmung!

Achte auf Reizthemen, auf die du immer wieder anspringst und über die du dich immer wieder aufregst – rechtzeitig bevor du hoch im Turm bist, musst du wissen, wie du geschickt mit der Situation fertig wirst.

Entwickle eine gesunde Selbstkritik und akzeptiere, dass deine Wahrnehmung und Sicht der Dinge nicht immer mit anderen übereinstimmt. Akzeptiere, dass die Wahrheit meist in der Mitte liegt – ein Teil der Kritik, die an dir geübt wurde, wird wohl stimmen, manche Teile auch wieder nicht. Verdeutliche dir selbst, dass du verschiedene Seiten hast: Du kannst ein wahrer Retter sein, selbstlos und sehr engagiert; aber – sei ehrlich zu dir selbst! – so manches Mal hast du auch kleine und große Teufelchen auf deiner Schulter sitzen, die hemmungslos zuschlagen können, wenn ihnen danach ist.

6. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Achte auf gerechte Arbeitsteilung in der Beziehung!

Gestehe dir ein, dass Beziehungen nur funktionieren, wenn auf eine gerechte Arbeitsaufteilung Wert gelegt wird. Frage dich immer einmal, ob dugenauso viele Verpflichtungen und Arbeitseinsätze hast wie dein Partner oder deine Freundin und ob du auch im gleichen Maße bereit bist, Dinge und Aufgaben zu übernehmen, selbst wenn sie keinen Spaß machen.

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7. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Schweige Probleme nicht tot, sondern schau sie dir an!

Wenn Probleme in eurer Beziehung oder Freundschaft auftauchen, versuche zunächst herauszufinden, was genau das Problem ist, welche Gefühle du hierzu hast und was dein Ziel ist.

Grundsätzlich ist es sehr hilfreich, in einer Beziehung die aufkommenden Probleme immer wieder anzuschauen. Probleme zu verdrängen oder totzuschweigen ist keine gute Lösungsstrategie. Jede Beziehung hat Grundthemen und Konflikte, die immer wieder auf das Tapet kommen. Wenn ihr euch regelmäßig an den gleichen Kanten eurer Beziehungskisten stoßt, schreibt am besten ein paar Regeln auf, wie ihr in Zukunft damit umgehen wollt. Es ist einfach gut, aus Fehlern zu lernen, dann habt ihr sie wenigstens nicht umsonst gemacht. Am besten schreibt ihr diese Vereinbarung auf und zeichnet sie beide ab – dann könnt ihr euch beim nächsten Mal gegenseitig daran erinnern und euch viel schlechte Laune und Energie sparen. Vielleicht gelingt es euch ja sogar, ein Versöhnungsritual zu schaffen, auf das ihr euch gemeinsam einigt: Rituale helfen, mit Krisensituationen besser klarzukommen.

8. TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Greif zum Stift und schreibe Briefe!

Bei Konflikten kann es übrigens sehr hilfreich sein, mal auf das altmodische Briefeschreiben zurückzugreifen. Man denkt halt doch anders nach, wenn man einen Brief schreibt, statt SMS-Kürzel ins Handy zu hacken. In Briefen kann man Formulierungen sorgfältiger wählen, alles nochmal in Ruhe durchlesen und schließlich auch eine Kopie davon machen. Ihr wisst dann beide, was da drin steht und es sollte keinen Streit mehr darüber geben, wer wann was gesagt hat. So ergeben sich schon mal ein paar Diskussionen weniger über das vermeintlich Gesagte. Deine Partnerin oder dein Freund können wählen, wann sie den Brief lesen und sie können ihn mehrfach lesen und auch in Ruhe antworten.

9.TIPP FÜR EINE GUTE STREITKULTUR:
Es gibt immer etwas zu tun!

In einer Partnerschaft ist die dauerhafte Bereitschaft gefragt, gegenseitig etwas für einander zu tun, immer wieder auf den anderen einzugehen und stets um das Wohl des Partners bemüht zu sein. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass eine Partnerschaft sehr lange hält, nur weil man sich am Anfang ineinander verliebt hat – eigentlich muss man immer weiter daran arbeiten, um die Liebe immer wieder zu erneuern. Es ist nicht genug zu sagen: „Ich liebe dich.“ Jeder sollte sich auch täglich für seine Beziehung ins Zeug legen und eine liebevolle Haltung leben. Beziehungen sind wie Baustellen, denn es gibt immer was daran zu tun. So braucht dein Partner auch deine Zeit, deine Zuwendung, deine Unterstützung und dein Lob. Er möchte an deinen Entscheidungsprozessen Teil haben, und er möchte wissen, wie es dir geht und womit du dich beschäftigst. Das setzt voraus, dass ihr nicht nur miteinander streitet, sondern auch die schönen Seiten des Lebens miteinander bewusst genießen wollt. Man kann spannende Momente schaffen, kleine schöne, wohltuende Situationen, die die Beziehung aus dem Alltag herausheben und so jeden der Partner bereichern können.

No risk,no fun...

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