GELD – KAUFEN SIE JETZT UND ZAHLEN SIE SPÄTER…

Finanzen sind ein schwieriges Thema, denn AD(H)S-ler brauchen meist viel Geld, haben aber keines: Sie sind zwar oft background139Meister im Geldausgeben, aber weniger erfolgreich darin, Geld auch zu verdienen und zu verwalten. Der Umgang mit Geld will eben auch gelernt sein.

Du kennst das wahrscheinlich ganz gut: Dein Geld scheint sich auf übernatürliche Weise selbst auszugeben, oft weißt du gar nicht wofür. Jedenfalls hast du irgendwie nie Geld. Warum ist das „typisch AD(H)S“? AD(H)S- ler neigen zu Spontaneinkäufen – sobald etwas ihr Interesse weckt, wollen sie es sofort haben. Das ist wieder die Sache mit dem „Jetzt-sofort-und- immer-alles-haben- Wollen“, diese Maßlosigkeit; dass man als AD(H)S-ler so schrecklich schnell frustriert ist, wenn man etwas nicht bekommt oder etwas nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. „Wenn ich etwas haben will, muss es sofort sein und koste es was es wolle!” – dieser Leitspruch der AD(H)S-ler lässt die Idee gar nicht erst zu, auf irgendetwas zu warten oder gar auf eine Sache zu sparen, die man so sehr begehrt. Und so stürzen sie sich von einer Geldausgabe in die andere, ohne ihre eigenen finanziellen Möglichkeiten und ihren Kreditrahmen im Blick zu haben. Natürlich machen sich auch die PR-Agenturen diese besondere Eigenschaft der AD(H)S-ler zunutze: „Kaufen sie jetzt und zahlen Sie später!“

Im Moment wird genossen (der Katzenjammer liegt noch in ferner Zukunft), jede Menge unwichtiger Dinge werden wie nebenbei gekauft, kein Gedanke daran verschwendet, dass man am Ende ja doch noch bezahlen muss – und das zu einem Zeitpunkt, wo das gekaufte Objekt schon wieder uninteressant geworden ist… So türmen sich die Schulden mit der Zeit immer höher auf.

Selbst im Erwachsenenalter können viele AD(H)S-ler kaum noch sagen, womit sie all ihre Schulden gemacht haben. Es waren so viele Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten, die man ja gar nicht unbedingt gebraucht hätte… Doch AD(H)S-ler kaufen nicht nur lauter sinnlose Sachen (und stellen dann, kaum zu Hause, fest, dass sie doch gar nicht so dringlich oder notwendig waren), auch die Kaufabsicht kann schnell wechseln: Eine Patientin wollte einen Goldfisch kaufen und kam dann mit einem Meerschweinchen nach Hause – ohne sich darüber Gedanken zu machen, wer das Tier im Urlaub versorgt. (Und das Aquarium hatte sie übrigens auch schon gekauft).

AD(H)S-ler haben keinen Überblick darüber, welche Kosten im Monat anfallen, welche Verträge sie abgeschlossen haben; sie zahlen sinnlose Zeitschriftenabonnements, zu denen sie sich haben überreden lassen und von denen sie nicht einmal genau wissen, wo man diese wieder kündigen kann. Oft fällt es ihnen schwer, rechtzeitig ihre Rechnungen zu bezahlen – Inkassobüros leben davon, Leuten viel Geld für Mahngebühren abzuverlangen: Da wird so manches kleine Strafmandat zu einem großen Posten, weil die Inkassobüros oft das Doppelte des eingeforderten Betrages aufschlagen. Schließlich rächt sich das dann alles und erbarmungslos zeigen sich rote Zahlen auf dem Konto.

Tückisch sind für AD(H)S-ler logischerweise auch Kreditkarten und Kredite, die schnell vergeben werden. Davon leben Versandhäuser, Reisebüros und Banken mit ihren teuren Kleinkrediten. AD(H)S-ler verschleiern den wahren Zustand ihres Kontos vor sich selbst. Sie neigen auch dazu, die Finanzlöcher mit Geld zu stopfen, das sie sich immer wieder von Freunden borgen, um Schlimmeres abzuwenden. Tatsächlich vergrößern sie aber damit ihre finanziellen Probleme dramatisch.

Auf einmal kann alles zusammenbrechen: Die Bank sperrt das Konto, weil der Überziehungskredit ausgereizt ist und Rechnungen nicht mehr bezahlt werden; die Freunde sind alle sauer und enttäuscht, weil man die alten Schulden immer noch nicht beglichen hat; alle auf einmal wollen ihr Geld zurück haben – das Kartenhaus bricht zusammen. Wenn sich alle Versäumnisse auf diese Weise an einem Punkt verdichten, wird dies von AD(H)S-lern nicht selten als gemein und ungerecht erlebt – alle Welt richtet sich ja massiv gegen sie.

 

EINIGE TIPPS ZUM THEMA UMGANG MIT GELD:

  • Verschaffe dir einen Überblick über deine finanzielle Situation; nimm dazu, wenn du verschuldet bist, eventuell auch Rat und Unterstützung von deinen Eltern und deinen Freunden an.
  • Schreibe dir schonungslos alle deine Verpflichtungen auf und vergiss nicht, auch jährliche Abbuchungen wie Krankenversiche- rungen, Rechtsschutz, Fernsehgebühren, Haftpflicht, Vereinsmit- gliedschaften usw. aufzulisten.
  • Triff Entscheidungen: Welche Posten und Kosten brauchst du überhaupt nicht? Vielleicht kommst du wunderbar ohne den neuen Handyklingelton aus oder müsstest eigentlich gar nicht so eine astronomische Handyrechnung haben.
  • Lege dir ausreichend Geld für Unvorhergesehenes zurück, denn das Unvorgesehene ist vorhersehbar: Es passiert immer etwas, mit dem du nicht gerechnet hast.
  • Gib nur das Geld aus, das du hast. Falls du noch Schulden hast, überlege ganz konkret, wie du sie abbezahlst: Stelle dir dazu einen Finanzplan auf. Vor allem: Mache keine neuen Schulden!
  • Laufe nicht vor unangenehmen Situationen davon, indem du shoppen gehst, sondern schaue genau hin, wenn bei dir etwas nicht läuft. Gestehe dir Probleme ein, denn dann kannst du sie besser lösen.
  • Zahle deine Rechnungen pünktlich und lasse Inkassofirmen nicht an dir reich werden. Schreibe dir auf, welche Rechnungen duzu bezahlen hast, und lies deine Kontoauszüge regelmäßig und aufmerksam.

Jetzt wird's ernst: Schule und Beruf. Nicht kneifen, sondern...

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