WIE BENUTZE ICH MEIN AD(H)S-GEHIRN?

Vielleicht sollten wir uns gemeinsam erst einmal klar machen, dass so ein AD(H)S-Gehirn anders arbeitet als das eines Normalos. Das bedeutet keinesfalls, dass es schlechter arbeitet, sondern anders. Die Gebrauchsanweisung dafür muss man schon kennen, um in der Lage zu sein, ein so geniales Gehirn wie deines zu nutzen. Ja, es hat wirklich geniale Fähigkeiten, die sich aber nicht jedem Besitzer sofort erschließen. Daran kann man ja arbeiten.

Bevor wir das tun, müssen wir erstmal einen kleinen Ausflug in die Welt der Neurobiologie machen und auf die gängigen Vorstellungen eingehen, die es über die Funktionsweise dieses so faszinierenden Organs gibt. Keine Angst! Wir werden uns kurz fassen und das Ganze so spannend wie möglich gestalten. Wenn es dich weiter interessiert, kannst du im Internet oder in verschiedenen Ratgebern noch viel mehr darüber lesen (z. B. auf www. adhs-muenchen.net oder im AD(H)S-Praxishandbuch, s. Literaturhinweise).

Die Funktion des Gehirns basiert hauptsächlich auf der Interaktion (dem wechselseitigen Zusammenwirken) von stark vernetzten Nervenzellen (Neuronen). Neuronen sind auf die Speicherung und Verarbeitung von Informationen spezialisiert, die über elektrische Impulse vermittelt werden. Als Synapsen bezeichnet man die Kontaktstellen zwischen den Neuronen bzw. zwischen einem Neuron und anderen Zellen. Hier findet die Impulsübertragung statt, wobei in der Regel ein elektrisches Signal (das Aktionspotential der Zelle) in ein chemisches Signal umgewandelt wird. Dabei werden bestimmte Botenstoffe (die Neurotransmitter, z. B. Dopamin) ausgeschüttet. Diese Botenstoffe reagieren mit der Zielzelle, die dafür mit einer Art speziellem Sensor ausgestattet ist, den Rezeptoren. Indem die Neurotransmitter hier andocken, werden neue elektrische Impulse erzeugt.

Wissenschaftler machen vorwiegend erblich bedingte Störungen dieses Neurotransmitter-Stoffwechsels für die Lernprobleme bei AD(H)S verantwortlich. Im zentralen Nervensystem – wo Reize eingeordnet, Bewegungen koordiniert und das dafür notwendige Zusammenspiel der Organe reguliert werden – spielen nämlich wieder zwei Neurotransmitter, das Dopamin und das Noradrenalin, die entscheidende Rolle: Ihre Konzentration im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen (also genau an der Stelle der Impulsübertragung) scheint nämlich bei AD(H)S-Betroffenen vermindert zu sein.

Und tatsächlich konnte an besonderen Forschungseinrichtungen durch spezielle bildgebende Verfahren folgendes gezeigt werden: Eben jene dopaminergen Hirnregionen im Stirnbereich (deren Funktion auf der Wirkung von Dopamin beruht und die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Motorik zuständig sind) sehen beim AD(H)S-Gehirn anders aus und funktionieren auch anders als gewöhnlich. Und auch für unser im Gehirn integriertes Belohnungssystem spielt der Neurotransmitter Dopamin eine wichtige Rolle: Macht das Lernen „Spaß“, liegt es daran, dass wir für unseren Einsatz belohnt werden, denn dopaminvermittelte Signale des tief im Innern des Gehirns liegenden sogenannten Limbischen Systems führen im Frontalhirn zur Freisetzung von Endorphinen (körpereigene Opiate). Diese wiederum haben eine Art „Türöffner“-Funktion für die Informationsverarbeitung – da geht das Lernen gleich noch mal so gut!

Es ist also naheliegend, dass Beeinträchtigungen der dopaminergen Systeme – wie es beim AD(H)S der Fall zu sein scheint – zu einer massiven Lernstörung führen können. Praktisch alle Suchtstoffe bewirken eine Stimulation (eine Anregung) dieses Systems, und man weiß auch, dass die Begegnung mit Neuem zu einer Freisetzung von Dopamin führt. Ein Dopaminmangel wird daher generell Lustlosigkeit und Desinteresse am Lernen nach sich ziehen, eventuell auch eine gedrückte Stimmung. Umgekehrt führt eine Überaktivität in diesem System dazu, dass belanglosen Dingen eine enorme Bedeutung beigemessen wird. Soziale Anerkennung, auch Schokolade, schöne Musik und Blickkontakt mit einem attraktiven Menschen können das Belohnungssystem aktivieren.

Nach diesem kurzen Ausflug in die graue Materie nun aber zu den praktischen Fragen der Nutzung eines AD(H)S-Hirnes!

 

HYPERFOKUS UND FLOW

Das AD(H)S-Gehirn funktioniert leider nicht immer, wenn es verlangt ist oder wenn du es brauchst. So hat es die background160Eigenschaft, dass es besonders dann gut arbeitet, wenn du Spaß hast oder wenn dir eine sehr spannende Belohnung winkt. Dann kann dein AD(H)S-Hirn zur wahren Hochform auflaufen und Berge versetzen: Es hat die Eigenschaft zu hyperfokussieren.

Damit ist gemeint, dass es sich unglaublich gut auf eine Tätigkeit konzentrieren kann, deren Bewältigung dir erstrebenswert erscheint und die sich im Fernrohrblick deiner eigenen Interessen befindet. Alles was dann in deinem Fernrohr erscheint, wird genau wahrgenommen, hochkonzentriert verarbeitet und die Zeit scheint dir wie im Flug zu vergehen. Einen solchen Zustand nennen wir Flow und er ermöglicht wahre Kreativität. Während deines Flows kannst du dich total auf dein Ziel konzentrieren und die Welt um dich herum völlig vergessen. Das kann so weit gehen, dass du sogar Hunger, Durst oder aufs Klo zu gehen vergisst. (Deine Familie oder deine Freunde finden das allerdings vielleicht nicht so berauschend, wenn sie sich nicht mehr wahrgenommen fühlen – da musst du aufpassen.) In diesen Phasen kann dein AD(H)S-Gehirn Höchstleistungen erbringen, nur leider sind diese nicht willentlich abrufbar, sondern sie passieren einfach, wenn deine Aufmerksamkeit durch große Motivation und enormes Interesse gefesselt wird.

 

DAS PHÄNOMEN DER AUFSCHIEBERITIS

Ganz anders sieht es nun für Tätigkeiten aus, die dir keinen Spaß und keine Belohnung verheißen: Dein AD(H)S-Hirn kann sich völlig verweigern und selbst kleine Verpflichtungen werden zum unüberwindbaren Hindernis, weil du nicht in die Gänge kommst und die Arbeit erst gar nicht anfängst. Das ist dann die Geschichte mit dem riesigen inneren Schweinehund und der Aufschieberitis. AD(H)S-ler beherrschen sie leider oft in Perfektion. Sie sind Meister der Selbstausreden und drücken sich immer wieder vor unangenehmen Situationen. Damit handelt man sich nach einiger Zeit ziemlichen Ärger bei seinen Mitmenschen ein, die gar nicht begeistert davon sind, immer wieder die unangenehmen Aufgaben erledigen zu müssen (während der AD(H)S-ler sich auf die Dinge konzentriert, die wirklich spannend sind).

Auf deine Erklärungen und Entschuldigungen kannst du nicht ein Leben lang zurückgreifen, auf Dauer sichern sie dir die Sympathien deiner Mitmenschen nicht. Wieviel Verständnis, glaubst du, können sie dafür aufbringen, dass du praktisch alles kannst, wenn du es willst – aber so rein gar nichts auf die Reihe kriegst, wenn dir eine Tätigkeit eben gerade mal nicht so vielversprechend erscheint?

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Mit anderen Worten: Dein AD(H)S als Ausrede zu benutzen ist keine gute Idee. Stattdessen solltest du an deinen eigenen Schwierigkeiten arbeiten und wachsen. Überhaupt – lass uns nicht mehr von Schwierigkeiten reden! Sprechen wir doch von Herausforderungen. Schließlich kann man im Leben immer noch etwas dazulernen, damit es einem besser geht: Lebenslanges Lernen ist gut gegen Alzheimer! :-))

Dopaminhaushalt, Schweinehund und Hyperfokus – was fängst du jetzt mit diesen Erkenntnissen an? Auf jeden Fall musst du dir den Flow-Effekt unbedingt zunutze machen. Wenn du beschließt, dich völlig uneingeschränkt nur noch deinen eigenen Geistesblitzen zu widmen, wirst du allerdings wenig Verständnis erwarten können. Erkläre deinen Leuten, was Hyperfokus und Flow bedeuten, lass sie wissen, welchen Wert sie für dich haben. Sei fair und achte darauf, dich gegebenenfalls abzumelden und dir selbst zeitliche Grenzen zu setzen, statt einfach für eine Ewigkeit von der Bildfläche zu verschwinden. Wenn du diese Vorbereitungen getroffen hast, hast du bessere Chancen, alles andere zurückstellen und den Flow-Zustand ohne schlechtes Gewissen ausnutzen zu können. Ebenso grundlegend ist das schriftliche Festhalten all deiner Geistesblitze: Das AD(H)S-Gehirn kann wirklich unglaubliche Einfälle haben, doch wenn du sie nicht notierst, haben sie sich genauso schnell wieder verflüchtigt, wie sie aufgetaucht sind – das wäre wirklich ein Jammer. Irgendwann können sie zwar durchaus wieder aus der Tiefe des Universums auftauchen, nur – wenn es überhaupt geschieht, dann weißt du nicht wann, und es kann sein, dass es viel später ist, als du sie gebraucht hättest.

Einige hilfreiche Tipps zum Umgang mit deinem AD(H)S-Gehirn haben wir hier wieder in einem Satz von Regeln zusammengefasst, damit du immer wieder schnell und gezielt darauf zugreifen kannst:

 

1. BENUTZERREGEL:

Gute Gedanken ernten.

Was auch immer dir an interessanten Gedanken kommt, schreibe alle auf oder diktiere sie in dein Handy – sonst sind sie im Nirwana deiner Möglichkeiten verschwunden. Das setzt Selbstdisziplin voraus und dass du immer mit Utensilien bewaffnet bist, die für einen AD(H)S-ler sowieso unentbehrlich sind: Stift, Notizblock oder Klebezettel, Handy oder Diktiergerät.

Mit dieser Strategie reagierst du nicht nur sinnvoll auf Zerstreutheit, sondern du nutzt gleichzeitig eine andere wichtige Eigenschaft des AD(H)S-Gehirns aus, nämlich, dass es sich sehr oft langweilt. Und dann geht es einfach spazieren. Du erinnerst dich an die verschiedenen Beispiele, die wir schon genannt haben, also etwa dass du in Gesprächen abschweifst oder einfach anderen am Nebentisch zuhörst; dass du dann gar nicht mehr so richtig mitbekommst, was gerade deine Freunde gesagt haben. Genauso gut kann es sein, dass du auf einen tollen Gedanken ganz unvermittelt an der Ampel oder in der Mathestunde kommst.

Es ist wirklich unglaublich, dass bei all dem Schrott, den ein AD(H)S-Gehirn produziert, nur um sich von etwas anderem abzulenken, auch immer ganz tolle Ideen dabei sind – es lässt sich wirklich in den unmöglichsten Situationen alles mögliche einfallen und neben vielen simplen Dingen kannst du erfrischende Geistesblitze hervorbringen. Nennen wir es „Gedanken ernten“. Vergiss nur bitte nicht, dass die Ernte deiner Gedanken sehr konsequent erfolgen muss: Alles, was du behalten willst, musst du aufschreiben, auf Zettel oder in Hefte, möglichst immer gleich. Dafür brauchst du dann aber ein System, was ja leider oft nicht gerade die Stärke der AD(H)S-ler ist…

 

2. BENUTZERREGEL:
Systematisieren durch sinnvolle Gewohnheiten.

Wir reden hier von guten, sinnvollen Gewohnheiten und Regeln, die das alltägliche Leben deutlich vereinfachen. Erinnere dich noch mal an die Tipps am Anfang dieses Buches, denn wieder möchten wir dir empfehlen, diese Zettel, auf die du die tollen, wichtigen Gedanken und deine Geistesblitze geschrieben hast, immer am gleichen Ort aufzubewahren. Klebezettel kannst du dir z. B. immer auf das Handy kleben. Ganz wichtig ist dann natürlich, dass du diese abends (oder jedenfalls immer zur gleichen Zeit) abarbeitest und bestimmten Projekten zuordnest.

background164Man muss sozusagen immer den Anschluss schaffen – aufschreiben, abarbeiten, zuordnen – sonst müllt man sich mit wertlosen Zetteln zu. Denke daran, wie wichtig es ist, das unbeirrt jeden Tag wieder zu machen: Gute Gewohnheiten nutzen dir nur so lange etwas, solange du sie regelmäßig anwendest. Das bedeutet, dass du auch deine Listen stets und ständig aktualisieren musst: Was hast du für die Schule zu erledigen? Es kommt auf die Liste. Dir fällt ein, dass Papa gerade übermorgen Geburtstag hat und du hast noch kein Geschenk? Schreib es auf die Erledigungsliste für den nächsten Tag. Machst du diesen Job täglich und konsequent, dann ist es wie mit einem Puzzle: Du erntest deine Gedanken und Einfälle, ordnest die jeweiligen Puzzleteilchen deinen einzelnen Projekten zu und so ganz nebenbei, ohne dass es dich viel Anstrengung kostet, bewegst du dich aus dem Chaos in eine Struktur – und genau darum geht es dir als dein eigener Therapeut!

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3. BENUTZERREGEL:

Erledigung langweiliger Pflichten belohnen.

Trotz allem bleiben nun immer noch diese langweiligen, täglichen Pflichten. AD(H)S-ler können selbst nichtige Tätigkeiten als Schwerstarbeit erleben und Endlosdiskussionen über Sinn oder Unsinn dieser Tätigkeiten führen. Es nützt alles nichts: Je schneller man diese unsäglichen Jobs abgehakt hat, desto eher hat man wieder Zeit für etwas Besseres. Je mehr Kraft du aber in die Vermeidung von Pflichten steckst, desto gründlicher verdirbst du dir die Laune und verschwendest Energie und Zeit. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ – diesen ätzend langweiligen Spruch kennst du bis zum Abwinken, aber sieh es doch mal so: Stellst du dir für getane Arbeit selbst eine Belohnung in Aussicht, ist das viel besser, als alles bis auf den letzten Drücker aufzuschieben.

Die meisten AD(H)S-ler sind engagierte Freiheitskämpfer, Anarchos und Weltverbesserer, die sich nicht bevormunden oder durch Regeln einschränken lassen wollen. Du kennst das wahrscheinlich auch: Nichts ist dir mehr verhasst, als tägliche Routine, langweilige Tätigkeiten und das ewige „Du musst und du sollst!“ Selbst für Erwachsene sind solche Sätze oft einfach ein No-go (sogar wenn man sie zu sich selbst sagt). Also, wir verraten dir da einen Trick: Statt dich selbst mit nervenden Aufforderungssätzen wie

„Du musst jetzt endlich“ zu motivieren, sag dir einfach: „Es ist besser für mich, wenn ich diese unangenehme Sache gleich erledige“, und stelle dir selbst eine schöne Belohnung in Aussicht.

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Wir meinen damit Folgendes: Wenn du deinen Job getan hast, telefonierst du mit deinem Freund, gehst Fußball spielen oder ins Kino. Mit positiver Verstärkung geht es immer besser als mit Druck und Zwang (und sei es auch der eigene).

 

4. BENUTZERREGEL:

Dinge zu Ende bringen.

Noch etwas ganz wichtiges: Fange nicht mehrere Sachen gleichzeitig an, springe nicht von einer Tätigkeit zur anderen, denn es besteht immer die Gefahr, dass du dich verzettelst. 10 Sachen ein bisschen gemacht, bleibt ein bisschen; eine Sache richtig gemacht, gibt dir ein gutes Gefühl. Mache Dinge lieber fertig, auch wenn sie nicht perfekt sind. Tue Dinge, die du anfängst, konzentriert, tue sie richtig und führe sie zu Ende. Dieser Merksatz ist wichtig, denn er ist ein Schlüssel zum Erfolg.

Du kennst das auch, dass AD(H)S-ler leider dazu neigen, Dinge nur bis zu 80% zu erledigen. Das schafft viel Unmut bei den anderen, die gerne Sachen vollständig abgeschlossen sehen wollen und die sich über Unvollendetes ärgern. So manche großartige Tat machst du selbst wieder zunichte, weil du sie nicht bis zum Ende durchführst. Etwas nicht zum Abschluss zu bringen schafft entsprechend viel Ärger, du giltst als unzuverlässig und verpeilt – und genau damit bleibst du unter deinen eigenen Möglichkeiten!

Weil sie praktisch alles als gleich wichtig wahrnehmen, ist es für AD(H)S-ler unheimlich schwer, Entscheidungen zu treffen. Vielleicht musst du dich tatsächlich zu Entscheidungen zwingen, um dein Ziel verfolgen zu können. Eine gute Unterstützung kannst du dir immer wieder selbst schaffen, indem du Probleme oder anstehende Entscheidungen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen aufschreibst.

Du schreibst dir damit etwas von der Seele und kannst es von einer anderen Seite sehen: Statt dein Chaos und deine Gefühle von Zerrissenheit weiter in deinem Innern zu verbergen, kannst du das von dir Aufgeschriebene wie ein Außenstehender mit Abstand betrachten. Dieser Perspektivenwechsel hilft dir, deinen eigenen Standpunkt zu finden, denn durch ihn gelangst du zu neuen Sichtweisen und Einsichten. Wir hatten etwas Ähnliches bereits oben im Abschnitt über Stress: Auch Tagebuch schreiben kann eine große Hilfe dabei sein, dich selbst mit all deinen Launen und Stimmungswechseln festzuhalten und dir neue Ziele zu setzen.

 

5. BENUTZERREGEL:

Die Reizüberflutung eindämmen.

Eine weitere Herausforderung wäre für dich ja zu lernen, dich nicht dauernd ablenken zu lassen. Auch dieses Problem beruht auf einer Besonderheit des AD(H)S-Gehirns: Wir nennen das Reizoffenheit. Das AD(H)S-Gehirn nimmt alle Informationen auf, ohne in der Lage zu sein, wesentliche Informationen aus einer Menge von unwesentlichen herauszufiltern. Das führt dazu, dass viel zu viele Infos auf deiner Gehirnfestplatte landen und dein Gehirn nun nicht mehr priorisieren kann: Es hat Schwierigkeiten damit zu unterscheiden, was wichtig und was unwichtig ist. Aus diesem Grund ist es auch nicht gut, mehrere Sachen gleichzeitig zu tun oder zusätzlich Musik zu hören, fernzusehen oder Computer zu spielen. Informationsüberflutung kann zu einem Datencrash auf der Gehirnfestplatte führen und chaotisches und sprunghaftes Denken weiter verstärken.

Erinnert dich das irgendwie ans Internetsurfen? Du willst eine bestimmte Info und dann findest du hier etwas und da etwas und landest schließlich ganz woanders und hast dabei dein ursprüngliches Ziel völlig aus den Augen verloren. Hier hilft dir auch nur, dir laut vorzusagen oder aufzuschreiben , was dein eigentliches Ziel ist: Du musst einfach zwischendrin immer wieder überprüfen, ob du eigentlich noch bei der Sache bist. Wenn du wenigstens wahrnimmst, dass du selbst wieder sprunghaft und abgelenkt warst, dann kannst du auch zu deinem angestrebten Ziel zurück finden.

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6. BENUTZERREGEL:

Wiederholen des Gelernten.

Wie bereits beschrieben hat das AD(H)S-Gehirn oft Schwierigkeiten damit, Gelerntes im Arbeitsspeicher zu verarbeiten und festzuhalten. Auch hier mag ein Grund darin liegen, dass zu viele, auch unwichtige Informationen vorhanden sind. Wie auch immer, es ist leider so, dass du gezwungen bist (meist mehr als andere, Nicht-Betroffene) zu lernen und vor allem: zu wiederholen! Das Gelernte immer wieder laut vor sich hin zu sprechen, kann eine wirkungsvolle Methode sein. Vor Prüfungen ist es für dich praktisch unvermeidlich, einen Lernplan zu erstellen und diesem jeden Tag zu folgen. Am besten du kontrollierst dich selbst oder lässt dich kontrollieren, damit du deinen aktuellen Wissensstand einschätzen kannst. Natürlich gilt hier auch wieder: Je weniger originell der Stoff, desto schwieriger ist er für dich zu lernen.

Zusammenfassend möchten wir dir noch einmal sagen, dass dein AD(H)S- Gehirn durch seine Fähigkeit zu Spontaneität und Hyperfokussierung tolle Ideen hervorbringen und sich zu erstaunlichen Leistungen aufschwingen kann. In der Routine des Alltags aber können die einfachsten Pflichten erhebliche Schwierigkeiten bereiten. So kannst du an den Kleinigkeiten des Lebens scheitern, während du gleichzeitig zu großartigen Leistungen fähig bist. Eine der wichtigsten Taktiken zur Nutzung deines AD(H)S-Gehirns ist das Aufschreiben und das Erstellen von Listen, das Festhalten von guten Einfällen, die du bestimmten Projekten zuordnen musst. Ohne Zettel heißt einfach verzetteln! Und bitte denke dran: Bei langweiligen Tätigkeiten deine Belohnung nicht vergessen, sonst springt dein AD(H)S-Gehirn nicht an!

Viel Spaß bei der weiteren Benutzung und viel Erfolg!

 

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